Der Bildungspodcast - präsentiert vom BLLV
00:00:00: Weltklasse
00:00:01: – ein Klassenzimmer, ein fremdes Land.
00:00:05: und plötzlich ist alles anders als man das aus dem Studium oder vorherigen Erfahrungen im Schulhaus
00:00:10: kennt.
00:00:13: Bildungsblick der Podcast rund um
00:00:15: Schulebildung und neue Perspektiven.
00:00:19: in unserer Reihe Weltklappe
00:00:21: berichten
00:00:22: Lehramtsstudierende von ihren Auslandspraktikern dem was sie erlebt haben und dem, was bleibt und was sie schlussendlich in ihren Koffer packen und mit nach Hause nehmen möchten.
00:00:36: Ermöglicht werden diese Erfahrungen durch die Auslandspraktika des BLLV.
00:00:42: Du hast die Chance in die Kultur verschiedener Länder Schulformen- und Unterrichtskonzepte hineinzuschnuppern Teil deiner Schulfamilie zu werden
00:00:50: und persönlich
00:00:51: zu wachsen.
00:00:53: Die Angebote reichend von A wie Australien über E wie Indonesien.
00:01:12: In der heutigen Folge nimmt euch Franziska mit nach Ghana.
00:01:17: Franziska, mit welchen drei Worten könntest du dein gesamtes Auslandspraktikum beschreiben?
00:01:23: Ui, die Vorage finde ich tatsächlich gar nicht so einfach das Praktikum in drei Worten zu beschreiben.
00:01:29: Wenn ich mich eigentlich fühle als könnte ich einen Roman drüber schreiben ist echt gar nichtsoeinfach aber ich probiere es mal.
00:01:36: Ich würde sagen auf jeden Fall.
00:01:38: Spontanität Musik und Familie
00:01:45: Spontанität, Musik & Familie Drei Worte die ihr ein Auslandspraktikum beschreiben Jetzt aber noch einmal langsam von vorne.
00:01:54: Wir stecken dann eigentlich hinter diesen Eindrücken.
00:01:57: Und wie kam es, dass du so mutig warst und dich für ein Auslandspraktikum beworben hast?
00:02:02: Wir sind sehr, sehr gespannt!
00:02:05: Also herzlich willkommen liebe Franziska.
00:02:09: Magst Du Dich erst mal bei unseren Hörerinnen und Hörern vorstellen?
00:02:13: Hallo schön das ich heute Teil des BLEV Podcast sein darf.
00:02:17: Ich bin Franziska, ich bin vierundzwanzig Jahre alt und habe an der Uni Augsburg Grundschullehramt studiert.
00:02:23: Ich sage jetzt bewusst Habe studiert – im September geht mein Referendariat los und davor war ich eben zweieinhalb Monate im Auslandspraktikum in Ghana.
00:02:33: Das war das erste Mal dass ich so lang im Auslands war.
00:02:35: Ich hab zwar in der Schule mal bei dem einen oder anderen Schüler-Austausch nach Frankreich mitgemacht Und auch von meiner Schule aus ein zweiwöchiges Praktikum in Frankreich absolviert, aber länger als zwei drei Wochen war ich noch nie weg und auch noch nie außerhalb von Europa.
00:02:53: Das heißt meine Reise nach Ghana war auch für mich eine Premiere.
00:03:00: Oh wow ja das glaube ich dir!
00:03:02: Ich selbst war zugegebenermaßen auch noch nicht in Ghana.
00:03:06: vielleicht werde ich das aber nach dem Gespräch mit ihr ja ganz bald noch ändern.
00:03:09: wer weiß Magst du mit uns teilen, wieso ausgerechnet Ghana für dich in die engere Auswahl gefallen ist?
00:03:16: Auf Platz eins meiner Bewerbung stand dann auch tatsächlich Ghana und ich habe mich riesig gefreut als ich dieses Land bekommen hab.
00:03:22: Denn die Kinder in der Schule im Projekt in Ghana sind von der Kinderkrippe etwa bis zur sechsten Klasse Und das ist ja genau der Bereich in dem ich studiert habe und es fand ich schon sehr schön dass sich jetzt auch mit Kindern eben in diesem Alter arbeiten konnte.
00:03:38: viele andere Projekte umfassen ja dann auch die weiterführende Schule, was bestimmt auch spannend gewesen wäre.
00:03:45: Aber ich habe mich natürlich trotzdem gefreut dass sich mit Kindern im Grundschulalter arbeiten konnte und ein weiterer Ausschlag geben.
00:03:53: der Punkt warum ich mich so gefreud hab das ich nach Ghana darf ist dass man in dem Projekt in einer Gastfamilie wohnt und dadurch eben die Möglichkeit bekommt den Alltag des Lebenes das Familienleben hautnah mitzubekommen Vielleicht auch näher, als wenn man jetzt in einer eigenen Wohnung im Gastland wohnen würde.
00:04:13: Das hört sich nach vielen überzeugenden Punkten an!
00:04:16: Aber noch viel schöner ist es aber deine Stimme zu hören wie viele Emotionen hinter deinen Argumenten stecken.
00:04:23: Jetzt ist ja auch schon ein wenig Zeit nach deinem Praktikum vergangen.
00:04:27: Ich würde aber gern bewusst mit dir zusammen noch ein bisschen zurückspringen.
00:04:31: Erinnerst du dich noch daran wie es weitergegangen ist?
00:04:34: Als du deine Bewerbung abgeschickt hattest?
00:04:36: Wie hast du dich vorbereitet?
00:04:38: Seitdem ich dann die positive Rückmeldung erhalten hatte, dass sich tatsächlich einen Platz für das Auslandspraktikum in Ghana bekommen hatte, ging in die Vorbereitungen auch schon relativ bald los.
00:04:49: Jetzt im Rückblick bin ich wirklich überrascht, dass ich fast ein halbes Jahr lang immer wieder mal damit beschäftigt war es ein oder andere vorzubereiten aber wenn man dann doch länger ins Ausland geht gibt's das eine oder andere zu tun.
00:05:03: Ich habe dann auch relativ bald meine Gastmutter kontaktiert und mit ihr ein Skype-Gespräch ausgemacht.
00:05:08: Was eine super Idee war, um einfach aus erster Hand zu erfahren was sie bei den Vorbereitungen jetzt für wichtig hält und natürlich um auch einfach mal einen ersten Eindruck von ihr und der Gastfamilie zu bekommen.
00:05:19: Das Ganze hat meine Vorfreude dann auch richtig angeschürt.
00:05:23: Natürlich gibt es dann auch ein paar so organisatorische Tudus, die einfach mit viel Aufwand verbunden sind.
00:05:28: Da geht's los bei der Bewerbung auf ein Stipendium.
00:05:31: Beim Ausfüllendes Visumsantrags, der tatsächlich gar nicht so unkompliziert ist für Ghana beim Ausmachen von diversen Impfterminen und was halt sonst noch alles so ansteht.
00:05:42: Bei diesen ganzen Sachen hat es mir tatsächlich auch sehr geholfen mit ehemaligen Praktikanten in Kontakt zu treten, die jetzt auch konkret schon mal in Ghana waren weil die einem dann einfach ganz genau sagen konnten welche Fristen man einzuhalten hat, welche Impfungen sie damals gemacht hatten wie viel Zeit dazwischen vergehen muss und halt alles wovon man selber aus der Ferne einfach auch nicht gut recherchieren kann.
00:06:07: Darüber hinaus habe ich jetzt gar nicht versucht mich irgendwie zu Tode zu recherchieren über Ghana, weil ich mich auch einfach noch überraschen lassen wollte von dem Land.
00:06:15: Es hat mich dann trotzdem nicht davon abgehalten mir noch ein Reisehandbuch zu kaufen wo ganz praktische Tipps drin standen was alles mit auf die Packliste muss wie man den Ghana am besten von A nach B kommt also welche öffentlichen Verkehrsmittel es gibt Wie die größten Städte heißen welche Regionen touristisch gut erschlossen sind.
00:06:33: gerade so.
00:06:34: diese Informationen waren mir dann auch wichtig Weil ich wusste, dass ich zwei Wochen Osterferien habe in meiner Zeit während des Praktikums und das ich da auch gerne einen Roadtrip machen würde um noch ein bisschen was vom Land zu sehen.
00:06:46: Da war dieses Reisehandbuch dann echt ein guter Kauf, um im Vorhinein schon mal das eine oder andere planen zu können.
00:06:54: Sag mal, ein Reise Handbuch – das war sicher nicht das Einzige, was du in deinen Koffer gepackt hast, oder?
00:07:00: Einen Koffer hatte ich tatsächlich gar nicht dabei.
00:07:02: Ich habe mich entschieden, die ganze Reise mit einem Backpack zu bestreiten was im Nachhinein auch die bessere Idee war wenn man sich mal die öffentlichen Verkehrsmittel in Ghana so anschaut.
00:07:12: Mitgenommen aber nicht gebraucht und zu Hause ungebraucht wieder ausgepackt hab' ich ja aber tatsächlich meine lange Jeans-Hose.
00:07:20: Lange Hosenjahr wegen den Moskitos Aber keine Jeans oder anderer Dickerstoff.
00:07:26: dafür war es einfach viel zu heiß in diesen zehn Wochen.
00:07:29: Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt den ich mir auf jeden Fall merken werde wenn ich mal nach Ghana reisen möchte.
00:07:36: Lass uns doch dem was Franziska uns über Ghana erzählt hat einmal auf den Grund gehen!
00:07:47: Ghana liegt in Westafrika näher dem Equator und das bedeutet ganzjährig warme Temperaturen oft über dreißig Grad.
00:07:56: gerade in der Küstenregion ist es zusätzlich sehr feucht.
00:08:00: kein Wunder also dass Franziska schnell gemerkt hat Langehosen sind hier eher lästig.
00:08:06: Bei meiner weiteren Recherche habe ich auch noch herausgefunden, dass Ghana unter anderem an die Elfenbeinküste Togo und Burkina Faso grenzt – das Land hat eine lange Atlantikküste mit zahlreichen Stränden!
00:08:20: Die Hauptstadt Accra ist ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region.
00:08:26: Die Schule in der Franziska ihr Praktikum gemacht hat liegt aber rund.
00:08:32: Das entspricht ungefähr einer achtstündigen Autofahrt.
00:08:36: Die Amtssprache in Ghana ist Englisch, das ist ein Erbe der britischen Kolonialzeit.
00:08:41: Daneben werden aber viele weitere Sprachen gesprochen.
00:08:45: Da könnten wir eigentlich gleich mal Franziska fragen ob es vielleicht einen Wort gibt auf der eine oder anderen Sprache dass ihr besonders in Erinnerung geblieben ist
00:08:54: Ein Wort auf Tree, das tatsächlich in der einen oder anderen Situation ganz hilfreich war.
00:08:58: ist es Wort Obruni.
00:09:00: Obrumi bedeutet so viel wie weiße Frau, weißer Mann also weißer oder weiße und Das kriegt man tatsächlich ziemlich häufig zu hören.
00:09:09: allein schon wenn man irgendwie auf die Straße geht Rufen die Leute obruni wenn sie einen sehen als einfach nicht so üblich ist dass sich viele europäer gerade in die ländlichen Regionen verirren.
00:09:20: Und so kommt's dann auch dazu.
00:09:23: Wenn man mal aus der Stadt wieder zurück zur Schule finden wollte, dass es gereicht hat.
00:09:26: Dass man die Obruni-School in Urucia sucht und die Taxifahrer sofort wussten, das ist die Schule von Pia einer Weißen gegründet worden ist oder als wir in der Stadt Stoffe kaufen wollten, die in einem Geschäft verkauft wurden, das auch von einem Deutschen geleitet wurde dann hat man einfach nach dem Obrunis Store gefragt und die Leute konnten einem weiterhelfen.
00:09:51: Außerdem ist es ja ganz gut zu wissen, wenn man gemeint ist.
00:09:54: Also wenn jemand Obruni ruft und man eigentlich damit angesprochen wird – und man checkt's nicht!
00:10:00: Dann ist das natürlich auch nicht so praktisch.
00:10:02: Deswegen würde ich tatsächlich sagen dass das eines der wichtigsten Worte war, dass ich in der Muttersprache dort gelernt habe.
00:10:10: Du hast nun schon ein paar Mal Infos über deine Praktikumsschule mit eingestreut.
00:10:15: Magst du dazu noch ein bisschen ausführen?
00:10:17: Das ist ja bestimmt mit einer der Gründe, warum unsere Hörerinnen und Hörern heute eingeschaltet haben!
00:10:24: Dann stelle ich euch jetzt mal meine Schule vor an die ich mein Auslandspraktikum in Ghana absolviert habe.
00:10:29: Und zwar heißt die Schule Besalel Educational Complex und wurde von Pia und ihrem Mann Emmanuel gegründet.
00:10:38: Sie ist allerdings nach Ghana ausgewandert und hat eben dort ihren Mann, der Ergana, im Emanuel geheiratet.
00:10:45: Und dort haben die beiden in dem Jahr zwei Tausend Neunzehn eine Schule gegründet, die jetzt mittlerweile von etwa Hundertzehn Kindern besucht wird.
00:10:54: Insgesamt gibt es Klassen von der Kinderkrippe bis zur Sechsten Klasse.
00:10:59: Die Schule ist aber noch im Aufbau.
00:11:00: des heißt Es soll auch erweitert werden auf die weiterführende Schule In Ghana.
00:11:08: Die Grundschule sechs Jahre lang, das heißt die Grundschulen wird jetzt schon abgedeckt und hoffentlich soll jetzt eben ab diesem Schuljahr dann auch die siebte Klasse und somit die Junior High School Teil des Besallel Educational Complex werden.
00:11:22: Im Vergleich zu leider vielen anderen Schulen gerade die staatlichen Schulen ist der Besallell Educational complex in Ghana eine gewaltfreie Schule Und an diese Regel müssen sich wirklich alle Lehrer halten.
00:11:34: Weil PIA ja Deutsche ist und noch immer wieder ganz viele deutsche Praktikanten kommen, haben die Kinder an der Schule die Möglichkeit auch Deutsch zu lernen.
00:11:42: Und mittlerweile gibt es auch eine Kooperation mit dem Goethe-Institut, die dort ein wunderschönes Deutschklassenzimmer eingerichtet hat.
00:11:50: Im Projekt wohnt man in der herzlichen Gastfamilie von Pia und Emanuel.
00:11:54: Und die beiden wohnen mit ihren drei Kindern, vielen Katzenhunden, Schweinen, Hühnern, Fischen... Was man sich sonst noch so alles vorstellen kann direkt neben der Schule.
00:12:06: Das heißt, man ist wirklich mittendrin, muss nur eine Minute rüber laufen um an der Schule zu sein und wird wirklich von Tag eins integriert wie ein weiteres Familienmitglied in der tollen Familie von Pierre & Emanuel.
00:12:20: Das klingt nach einem richtig herzlichen Umfeld, und auch so als wärst du trotz der vielen Kilometer die du von zu Hause weg warst nicht einsam gewesen.
00:12:29: Wurdest Du denn lieb aufgenommen?
00:12:33: Auf jeden Fall wurde ich in der Schulfamilie sehr gut aufgenommen.
00:12:36: Gerade der Schulleiter ist selber sehr jung und extrem engagiert.
00:12:42: Er hatte eigentlich immer ein offenes Ohr für uns Praktikanten und ist selbst auch sehr interessiert, da dran von den Praktikantern zu lernen.
00:12:50: Das hat sich dann auch an den diversen Workshops gezeigt die die verschiedenen Praktiken dort abgehalten haben.
00:12:56: Dann super viele Fragen gestellt und man merkt einfach dass ihm die Kinder am Herzen liegen.
00:13:03: Auch viele andere Lehrkräfte sind sehr offen dafür, was man als Praktikant mitbringt.
00:13:10: Auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt dass es einige Lehrkräftige gibt die dort eben einfach nur ihr Brot verdienen und wo man dann einfach mit seinen pädagogischen Idealen gegen eine Wand rennt.
00:13:23: Ja und die Kinder waren natürlich die ersten, die einen ins Herz geschlossen haben.
00:13:28: Und die ab Tag eins sehr, sehr anhänglich waren.
00:13:31: Das heißt da hat man eigentlich dann ab Tag Eins schon zur Schulfamilie dazugehört wenn man die Kinder fragen würde
00:13:38: Franziska du warst jetzt ziemlich ehrlich und hast positive und schöne Sachen erwähnt, die du während deines Praktikums erlebt hast.
00:13:46: Gab es denn auch etwas was dich in positive oder negative Hinsicht überrascht hat?
00:13:52: Da gibt es tatsächlich eine Sache, die mich sowohl positiv als auch negativ überrascht hat.
00:13:57: Und zwar hatte ich nicht gedacht dass es an der Schule doch sehr viele Materialien gibt, die von Praktikanten vor mir mitgebracht wurden oder die über eine Spende durch das Goethe-Institut aufgetrieben werden konnten.
00:14:11: Das negative daran ist allerdings, dass das Material von den Lehrkräften vor Ort kaum genutzt wird.
00:14:18: Das liegt zum einen da dran, dass einfach viele Lehrkräfte eine komplett andere Ausbildung durchlaufen haben wie in Deutschland oder gar keine Ausbildungen zur Lehrkraft haben bzw damit noch nicht fertig sind Und zum anderen daran, dass es doch leider auch einige Lehrkräfte gibt wie ich vorher schon erwähnt habe.
00:14:38: Die diesen Beruf nicht ausüben weil ihnen die Kinder am Herzen liegen oder weil ihr Traumberuf Lehrer war sondern weil sie einfach Geld verdienen müssen und leider in diesem Beruf auch nicht sonderlich gut bezahlt werden.
00:14:50: das heißt vielen Lehrkräften fehlt dann aber auch einfach die intrinsische Motivation sich mit neuen Materialien auseinanderzusetzen ihren Unterricht durch Materialien Anschauungsreicher zu gestalten oder einfach mal was Neues auszuprobieren.
00:15:06: Ein weiterer Punkt der mir negativ aufgefallen ist, dass es doch sehr viele Kinder gibt die trotzdem sie in die Schule gehen, in der fünften oder sechsten Klasse immer noch nicht richtig lesen und schreiben können.
00:15:19: Dafür gibt es bestimmt viele verschiedene Gründe aber eine Ursache ist meiner Meinung nach auch im Schulsystem in Ghana zu suchen.
00:15:28: Wie ich vorher schon erklärt habe, lernen die Kinder ja schon im Kindergartenalter.
00:15:33: Die Basics wie erstes Lesen, erstes Schreiben, erst das Rechnen und wenn dann davon ausgegangen wird dass sowas in der Grundschule nicht nochmal von Anfang an thematisiert werden muss Dann gibt es eben doch einige Kinder die diese absoluten Grundlagen nicht lernen und somit auch in den weiterführenden Klassen einfach nicht mehr mitkommen.
00:15:55: Absolut positiv überrascht davon war ich allerdings, wie schnell man eine gute Bindung zu den Kindern aufbauen kann und was man dann mit dieser guten Bindung auch alles erreichen kann.
00:16:05: Zum Beispiel hat es innerhalb der ersten Wochen geklappt mit den Kindern einen ordentlichen Sitzkreis zu bilden und auch diese Sozialform einzuführen obwohl die Kinder das Woche überhaupt nicht gekannt hatten und dass tatsächlich einfach nach den ersten paar Unterrichtsstunden.
00:16:20: Was ich auch sehr schön fand, ist dass man dann auch sehr schnell Rückmeldung darüber bekommt ob das was man dort macht die Kinder auch berührt.
00:16:29: Eine Anekdote war dann tatsächlich ein Drittklässler mich am Freitag gefragt hat wann wir den endlich mal wieder Mathe haben und war dann schwer enttäuscht als ich immer klärt habe dass erst wieder Montagmatte ist und die dritte Klasse am freitag leider kein Mathe hat.
00:16:43: Das war für mich ein richtiger kleiner Erfolg.
00:16:46: Deine Erfahrungen in Ghana, die scheinen irgendwie anders gewesen zu sein als die, die du in einem Praktikum in einer deutschen Schule gemacht haben könntest oder?
00:16:56: Auch wenn wir nicht Werten vergleichen wollen zwischen den beiden Ländern.
00:16:59: Kannst du uns trotzdem zur Einordnung vielleicht erzählen ob du Unterschiede festgestellt hast?
00:17:05: Ja also Unterschiede.
00:17:06: zum Schulalltag in Deutschland sind mir tatsächlich so einige aufgefallen.
00:17:10: Das geht ja schon beim Schulsystem los.
00:17:13: In Ghana gehen die Kinder nämlich sechs Jahre lang in die Grundschule Und davor gibt's zwei Jahre Kindergarten und davor Nursery & Cratch, also Kinderkrippe eigentlich ab dem ersten Lebensjahr wenn nicht sogar noch jünger.
00:17:28: Dann zwei Jahre Kindergarten dann sechs Jahre Grundschule und wenn die vorbei sind dann gehen die Kinder auf die Junior High School und gegebenenfalls oder wenn es den Kindern möglich ist danach auf die Senior High School.
00:17:42: Jetzt darf man sich den Kindergarten in Ghana aber nicht so vorstellen, wie man einen Kindergartner in Deutschland kennen würde.
00:17:48: Sondern eigentlich sind das wie schon zwei richtige Vorschulklassen, in denen Unterricht stattfindet die man sich endlich vorstellen kann wie in der Grundschulklasse.
00:17:58: Das heißt die Kinder lernen dort tatsächlich schon das ABC sollen bis zwanzig oder teilweise sogar bis hundert Zählen kommen.
00:18:06: Hausaufgaben Und was mich wirklich vom Hocker gehauen hat, die schreiben auch im Kindergarten und sogar noch früher in der Cretion, in der Nursery Examen einmal im Term.
00:18:17: Das heißt dreimal im Jahr!
00:18:19: Da sitzen dann tatsächlich Kinder, die nicht älter sind als ein oder zwei Jahre mit einem Blatt Papier vor sich da und sollen zeigen dass sie schon richtig gritzeln können und das Ganze in einer Prüfungssituation wie man sie vielleicht irgendwie von der weiterführenden Schule kennt.
00:18:35: Auf den ersten Blick klingt es jetzt vielleicht so, als ob die Kinder in Ghana damit schon viel früher wichtige Basiskompetenzen erwerben als jetzt zum Beispiel in Deutschland.
00:18:44: Allerdings gibt's dabei zwei Probleme und das ist einmal dass ganz ganz ganz viele schwächere Schülerinnen und Schüler auf der Strecke bleiben weil sowas wie individuelle Förderung oder sowas gibt es dort sehr selten.
00:18:56: und zweitens wird dann im Grundschulalter davon ausgegangen, dass eben diese Basiskompetenzen wie zum Beispiel Buchstabenerkennung und Zählkompetenz schon im Kindergarten erworben wurde.
00:19:10: Und man steigt dann quasi auf einem höheren Niveau schon ein und alle die Kinder, die aber bis zu diesem Zeitpunkt diese wichtigen Dinge noch nicht verstanden haben bleiben dann auf der Strecke weil es einfach nicht wiederholt wird in der Grundschule.
00:19:24: Und außerdem fehlen dann bei ganz, ganz vielen Schülerinnen und Schülern andere wichtige Fertigkeiten die man eigentlich im Kindergartenalter erwerben würde.
00:19:33: Das geht los beim Motorischen Fähigkeiten wie einen Stift oder eine Schere richtig zu halten aber auch bei sozialen Fertigkeiten die einfach fehlen wenn man diese Phase nicht hat auch mal frei spielen zu dürfen oder sich einmal auszuprobieren.
00:19:47: Dazu kommt dann noch, dass der meiste Unterricht in Ghana tatsächlich Frontalunterricht ist und es eigentlich kaum so etwas wie Schülerzentriertenunterricht oder offene Unterrichtsphasen gibt.
00:19:58: Das heißt das kann gut passieren, dass ein Lehrer einfach mal für eine Stunde einen Vortrag hält und von den Kindern erwartet wird, dass sie in dieser einen Stunde konzentriert bleiben oder dass einzelne Schülerinnen und Schüler der Klasse nach vorne gerufen werden, dort im Plenum vor der ganzen Klasse Aufgaben lösen müssen oder zum Beispiel was vorlesen.
00:20:20: Was dann auch wieder dazu führt das auf das Einzelne Kind kaum geachtet werden kann individuelle Förderung auf der Strecke bleibt, Differenzierung auf der Strecke bleibt und die Schwächeren somit irgendwann nicht mehr mitkommen.
00:20:35: Ja, und dann gibt es natürlich diesen Unterschied wo ich so richtig die deutsche raushängen lassen konnte.
00:20:40: Und zwar hatte ich das Gefühl dass es in Ghana zwar schon für alle wichtigen Dinge einen Plan gibt.
00:20:47: dieser Plan ist aber meistens eher als grobe Richtlinie zu verstehen und alles andere als verbindlich.
00:20:53: Das heißt alles ist viel spontaner viel chaotischer.
00:20:57: Zum Beispiel werden Zeiten nicht so genau genommen.
00:21:00: Da kann es schon mal passieren, dass eine Pause, die eigentlich für ne halbe Stunde angesetzt ist, mal ne Stunde dauert oder das es mal nach zwanzig Minuten schon wieder losgeht?
00:21:09: Oder dass man sich gerade als Fachlehrer auch nicht darauf verlassen kann, dass am nächsten Tag wirklich das Fach stattfindet, das auf dem Stundenplan steht?
00:21:18: Werden zum Beispiel sehr oft den Fall... dass ein Lehrer, der an zwei verschiedenen Schulen unterrichtet hat, dann plötzlich aufgetaucht ist.
00:21:24: Obwohl er gar nicht eingeplant war für diesen Tag und dann in allen Klassen eine Stunde Unterricht gehalten hat und damit meine Mathestunde ausgefallen ist.
00:21:34: Das waren auch erst mal so einen Moment wo ich mir dachte okay jetzt muss ich meinen Wochenplan wohl über den Haufen werfen und mir spontan was Neues ausdenken.
00:21:45: Was mir im Vergleich zu Deutschland auch sehr stark aufgefallen ist, ist welchen Stellenwert Religion hat.
00:21:51: Und das spürt man tatsächlich im Schulalltag auch sehr, sehr stark dass die Schule vor einem christlichen Hintergrund entstanden ist.
00:21:59: Es gibt zum Beispiel jede Woche mehrere Tage wo am Morgen eine sogenannte Worship-Time stattfindet Wo gemeinsam gesungen gebetet wird aber z.B.
00:22:10: auch Gespräche über Moral stattfinden.
00:22:14: Schule scheint einfach nicht gleich Schule zu sein, das nehme ich mit Franziska.
00:22:18: Danke dass du so offen ehrlich und auch direkt darüber sprichst!
00:22:23: Das Ganze hat sicher auch einige Herausforderungen mit sich gebracht, nehme ich an.
00:22:28: Der ersten großen Herausforderung musste ich mich tatsächlich gerade mal zwei Wochen nach Beginn meines Praktikums in Ghana stellen und zwar hatte eine Lehrkraft kurzfristig gekündigt.
00:22:40: Kurzfristig heißt ihr am Freitag Bescheid gesagt, dass sie am Montag nicht mehr kommt und somit hat dann plötzlich die Klassenlehrerin für die erste Klasse gefehlt.
00:22:48: Ich habe dann kurzfristige angeboten das sich zumindest für die zwei Wochen vor den Osterferien die erste Klasse komplett übernehmen kann, also den kompletten Unterricht als Klassleitung.
00:23:00: Und war dann erst mal ganz schön buff, als ich festgestellt hatte dass in dieser Klasse keinerlei Routinen etabliert waren kein Belohnungssystem was auch dazu geführt hat das die Kinder super schnell ihre Grenzen ausgetestet haben als sich dann ihre neue Klassenlehrerin war.
00:23:15: Dazu kamen dass die Klassen leitung von davor Zaum gehalten hat, indem sie ihnen Süßigkeiten versprochen hat.
00:23:25: Hat wenn Sie sich gut benommen haben oder sogar Geld und ich selbst wollte dieses System natürlich nicht weiter fortführen und habe versucht das Ganze erst mal anders anzugehen.
00:23:37: aber so etwas lässt sich natürlich auch einfach nicht innerhalb von ein zwei Wochen unkrempeln wodurch dann schon auch das eine oder andere Mal für mich sehr überfordernde Situationen entstanden ist.
00:23:51: Ich habe dann relativ bald gemerkt, dass ich mich in solchen Situationen einfach mal rausnehmen muss, fünf Minuten durchatmen, rausgehen, mich sammeln und auch mal drüber nachdenken, dass nicht die Schuld komplett mir geben muss das ich als Lehrkraft versagt habe oder dass die Kinder mich mit Absicht auf die Palme bringen wollen sondern dass die kinder ein ganz anderes System gewohnt waren Und ich das Schritt für Schritt angehen muss und mich über die kleinen Erfolge freuen darf.
00:24:26: Ich bin keine schlechte Lehrerin bloß, weil eben nicht alles aufs erste Mal klappt.
00:24:32: Was die Sache mit der Disziplin auch noch erschwert hat ist dass ich wusste, dass die meisten Kinder zu Hause geschlagen werden und dass eben auf ein Fehlverhalten Zuhause die gängige Reaktion Gewalt ist.
00:24:49: Für mich war es dann unglaublich schwierig, Regeln zu formulieren die die Kinder auch bereit waren einzuhalten ohne dass eben solche Konsequenzen darauf gefolgt sind.
00:24:59: Sowas zu verändern und auf positive Verstärkung zu setzen anstatt auf Bestrafung sowas lässt sich einfach nicht innerhalb von wenigen Wochen verändern Und hat mich einer oder anderen Stelle tatsächlich auch in meine Grenzen getrieben.
00:25:15: Dazu kommt, dass dieses Wissen, das die meisten Kinder zu Hause misshandelt werden mich auch emotional extrem belastet hat.
00:25:23: Meine Mitvoluntärin Lucia, die ausgebildete Erzieherin ist, hat dann allerdings auch sehr gute Worte gefunden um zu erklären was in den Kindern vielleicht vor sich geht wenn es in so einer Stunde mal wieder richtig drunter und rübergeht.
00:25:36: Und zwar hat sie gemeint, dass die Kinder eben nicht ihren sicheren Ort wo sie sich geliebt und aufgehoben gefühlen, egal wie Sie sich verhalten zu Hause haben.
00:25:47: Sondern dass sich dieser Ort für die Kinder, die Zuhausegewalt erfahren in die Schule verschiebt.
00:25:53: Und das dann alle Emotionen, die vielleicht zu Hause auch zurückgehalten werden im Unterricht rauskommen oder in den Pausen.
00:26:01: Dass sich das natürlich dadurch zeigt, dass sich Kinder auch mal in Anführungszeichen daneben benehmen weil sie einfach wissen... In der Schule werden sie nicht geschlagen, in der Schule wird ihnen niemand etwas tun.
00:26:15: Und dieses Wissen hat mir dann tatsächlich schon dabei geholfen um die Unterrichtsstunden, die vielleicht nicht so glatt liefen anders zu beurteilen und vielleicht auch dabei nichts so stark mit mir selber ins Gericht zu gehen wenn mal etwas nicht so geklappt hat und einfach auch mal zu sagen hey es gibt auch einfach Gründe die nicht in meiner Hand liegen wenn ich es mal nicht schaffe die Klasse zur Ruhe zu bringen.
00:26:39: Franziska, das hört sich sehr reflektiert an.
00:26:43: Danke, dass du deine persönlichen Learnings mit uns geteilt hast!
00:26:46: Ich glaube da kann ich mich nicht oft genug wiederholen.
00:26:49: Hast Du das Gefühl, dass Du Dich beruflich weiterentwickelt hast?
00:26:52: Wenn Du an die Franziska im und vor dem Praktikum zurückdenkst...
00:26:57: Ob ich mich tatsächlich beruflig weiterentwicklt habe wird es sich dann wahrscheinlich spätestens im September zeigen wenn mein Referendariat losgeht.
00:27:05: Ne Quatsch also.
00:27:06: ich würde natürlich sagen dass ich sehr, sehr viel gelernt habe in diesen zehn Wochen und mich das auch beruflich weitergebracht hat.
00:27:16: Auf jeden Fall bin ich viel spontaner und viel flexibler geworden was den Unterricht angeht.
00:27:21: Gegen Ende haben mich dann Planänderungen oder plötzlich auftauchende Komplikationen überhaupt nicht mehr so aus dem Konzept gebracht wie am Anfang und ich hab mich auch viel unkomplizierter und schneller auf spontane Pläne eingelassen als am Anfang.
00:27:37: Liebe Franziska, du hast jetzt schon mehrmals anklingen lassen wie es für dich in nächster Zeit weitergeht.
00:27:43: Deshalb ist jetzt denke ich ein guter Zeitpunkt dir an dieser Stelle einen guten Start ins Referendariat zu wünschen!
00:27:50: Durch deine Erfahrungen im Praktikum könntest Du einiges an Selbstvertrauen gewinnen.
00:27:55: Wir hoffen dass Dich das im Berufsstart trägt und Du immer mal wieder innehalten kannst.
00:28:01: um auf die Zeit in Ghana zurückzublicken.
00:28:04: Magst Du uns noch verraten?
00:28:06: wie deine weiteren Pläne ausschauen.
00:28:08: Stehen die nächsten Abenteuer schon in den Startlöchern?
00:28:12: Jetzt geht ja im September erstmal mein Referendariat los, deswegen habe ich jetzt für die nächsten zwei Jahre erst mal nicht geplant noch einmal länger ins Ausland zu gehen.
00:28:22: Was ich aber sehr, sehr spannend fand war die Erfahrung in Ghana eine deutsche Schule im Ausland zu besichtigen.
00:28:29: Wo uns der Schulleiter dann eben auch erklärt hat dass es gerade nach dem Referendariat oder dann auch schon als verbeamtete Lehrkraft die Möglichkeit gibt als deutschen Lehrerinnen oder Lehrer im Auslands an deutschen Schulen zu arbeiten.
00:28:43: und das wäre jetzt was, was sich mir tatsächlich im Hinterkopf behalten möchte und mal nicht ganz ausschließen dass das nicht vielleicht auch eine Option in mehreren Jahren wäre, um nochmal ins Ausland zu kommen.
00:28:59: Wir – also unser Bildungsblickteam und natürlich unsere Hörerinnen und Hörern drücken die von Herzen die Daumen!
00:29:05: Danke, dass du uns mit auf die Reise nach Ghana mitgenommen hast.
00:29:09: Auf deine ganz persönliche Reise!
00:29:13: Schön, dass Du eingeschaltet hast und bis zum Ende dran
00:29:16: geblieben bist
00:29:17: bei dieser spannenden Reise.
00:29:18: einer unserer Auslandspraktikanten und Praktikanten Das war Weltklassen, die Auslandsreihe von Bildungsblick.
00:29:29: Wenn dich der Einblick in die heutige Weltklasse neugierig
00:29:32: gemacht hat,
00:29:33: dann erfährst du jetzt für wen dieses Praktikum genau das Richtige sein kann!
00:29:39: Wenn Du selbst darüber nachdenkst ein Praktikum im Ausland zu machen, Programme wie Die Internationalen Kurzzeitpraktiker des BLLV bieten Dir die Möglichkeit Schule weltweit neu zu erleben – an solchen oder ähnlichen Erfahrungen Wirst du sicherlich wachsen?
00:29:58: Denk dran!
00:29:59: Gute Schule passiert nicht, wenn man jede Unterrichtsstunde nach Schema F auszieht.
00:30:04: Schau dich um – wag den Blick über den Tellerrand.
00:30:08: Selbst wenn Du feststellst das ein oder andere was Du erfahren oder ausprobiert hast taugt nicht bist Du schon einen Schritt weiter?
00:30:17: Alle Infos zu dem Auslandspraktika des BLLV findest Du in den Show Notes.
00:30:22: Falls Du interessiert bist Lohnt es sich auch, in den alte Bildungsblickfolge reinzuhören?
00:30:28: Wir haben in Folge zwei schon einmal einen Blick in die Ferne gewagt.
00:30:33: Zwei Lehramtsstudierende haben uns von ihren Erfahrungen in Norwegen und Neuseeland erzählt!
00:30:40: Das war Bildungsblick
00:30:41: – der Podcast
00:30:43: des Bayerischen Währerin- und Lehrerverbandes.
00:30:48: Wir freuen uns über Feedback, Kommentare oder eine Bewertung auf der Podcastplattform deines Vertrauens.
00:30:54: Auf Instagram findest du uns ebenfalls unter Bildungsblick.
00:30:59: Da bist Du immer auf dem Laufenden an welchen Themen wir arbeiten!